Was kann es Schöneres geben als eine energetische und beschwingte Aufforderung zum Musizieren am Beginn der Adventszeit? Um den kommenden Wochen klingend den Weg zu bereiten, präsentiere ich Dir hier die Kantate „Ergreifet die Psalter, ihr christlichen Chöre“ von Gottfried August Homilius, selbstverständlich dezidiert für den ersten Advent (oder schreibt man die Ordnungszahl hier groß?) komponiert.

Apropos Advent: Hast du in deinem multikulturellen Wohnumfeld schon mal über das Phänomen „Advent“ gesprochen? Yichen, der immerhin sein viertes Jahr in Deutschland verbringt, konnte damit nichts anfangen – und auf meine leicht belustigte Frage, ob er sich noch gar nicht gewundert habe, warum es immer (ab September, eigentlich aber) besonders im Dezember Unmengen von Schokolade, Lebkuchen… zu kaufen gibt – und diese von ihm durchaus konsumierten Köstlichkeiten Anfang Januar recht schnell verschwunden sind, antwortet er – wie so oft – mit „Weiß‘ nicht.“ Meine folgenden Erklärungsversuche waren wahrscheinlich ein bisschen unbeholfen – ich konnte ja keinen Kurzabriss über die europäische Kulturgeschichte liefern. Naja – auf die entsprechende Unterhaltung mit Lada am Montagabend bin ich gespannt. Denn von Ganna weiß ich ja, dass es die Adventszeit in der orthodoxen Kirche nicht gibt – und Lada gehört eigentlich zu den Menschen, die sich unerklärliche Phänomene (es ist ihr erster Dezember in Deutschland) zu erklären versuchen. Und sie hat „Sterne, Herzen, Brezel“ in Lebkuchenvariante gegessen 🙂

Da ich gerade über die Adventszeit nachdenke, fällt mir wieder auf, wie sehr man doch geprägt ist von den kulturellen Bräuchen seines Kulturkreises und seiner Sozialisierung. Und selbst wenn ich nicht mit dem Hereinbrechen eines Weihnachtsgefühls vor der Ankunft in Hannover (hoffentlich wenigstens dann!) rechne, so verbreitet schon allein das Denken an die Adventszeit – obwohl ja (traditionell/theologisch) nicht per se mit Heiterkeit und Trubel verbunden (plötzlich: Weihnachtsmarkt überall! Und sogar hier „am Horn“ über der Stadt riecht man ihn!) – irgendwie ein wohliges Gefühl.

Und wie sieht es in der Großstadt an Rhein und Neckar aus? Soziokulturell ist das ja eine ganz andere Kiste als hier im kulissenhaft-idyllischen thüringischen Kleinstädtchen…
Ich würde mich über deine Eindrücke, vielleicht sogar Bilder, freuen 🙂

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